Sonntag, 13. März 2016

Die kleine Feder am Baum

Diese kleine Feder am Baum
war einfach nur hübsch anzuschauen.
Sie lies sich nicht weiter treiben, ruhte in sich - am Zweig.
Sie war zu beneiden, dachte ich – sie war befreit.



Sie musste nicht weiter im Gefieder sein,
nicht durch die Lüfte ziehen, nein.
Sie tat wonach ihr zumute war,
sich treiben lassen, einfach so – wirklich wahr.

Ihr Aussehen störte sie nicht sonderlich,
einst wurde sie ja gut gepflegt.
Heut wird sie sauber, ganz gewiss,
nach dem nächsten Regenschauer – so gut es eben geht.

Da hing sie nun rum, erfreute sich des Lebens,
manchmal sang sie vergnüglich: "Fidebum",
bis eines schönen Tages eine kindliche Stimme sich ihr nährte -
die sie sehr begehrte
und mit ihren Schokoladenfingern sie vom Baum abzerrte.

Was wohl mit mir geschehen soll, 
dachte sich die Feder, na toll.
Das Kind quietschte vergnügt,
wie schön, liebe Feder – "Ich hab dich lieb.
Zum Dank, dass ich dich nehme vom Baum,
lasse ich meinen Schnuller zurück, 
ich hoffe er bringt dir Glück."

Die Feder traute ihren Augen kaum,
und dachte sie wäre im Traum.
Als sie nach Hause gekommen sind,
landete die Feder auf dem Tisch vom Kind.

Nicht nur keine Schokofinger mehr - nein, 
voller Kleister,
dazu Farbe und Früchte des Waldes und mehr.
Das Kind hatte seinen Spaß und lachte vergnügt,
verbastelte die Feder zu einem wunderschönen Bild... wie es fand.


Als es war getrocknet, am nächsten Tag,
ging das Kind mit dem Bild, und der Feder darauf, in den Park.
Dort traf es seine Oma, die es knuddelte ganz lang -
wofür das Kind ihr das Bild schenkte, damit sie es aufhang.

"Die kleine Feder war einst an einem Baum,
sie war einfach nur hübsch anzuschauen.
Sie musste nicht weiter im Gefieder sein,
nicht durch die Lüfte ziehen, nein.
Sie wartete auf mich an dem Baum,
damit ich dir eine Freude machen kann, oh schau,
die Feder ist so hübsch auf diesem Bild,
für die beste Omi dieser Welt."


Die Oma weinte eine Träne vor Glück:
"Dank dir mein Kind, hab dich lieb, mein Goldstück."
Später ging sie glücklich nach Hause,
hing das Bild an einen schönen Platz
und trank davor in ihrem Schaukelstuhl eine Brause.

Diese kleine Feder , die einst an einem Baum
war einfach nur hübsch anzuschauen.
Sie musste nicht weiter im Gefieder sein,
diente keinem Kind mehr zum basteln, nein.
Sie hatte Erfüllung gefunden, nach all ihren Flügen und Runden.

Da hing sie nun rum,
erfreute sich dem neuen Sinn ihres Lebens,
manchmal sang sie vergnüglich: "Fidebum"
und grinste vor lauter Glück im Kreis herum.